Gesundheitsstandort Wenckebach bedarfsgerecht weiterentwickeln

Foto: Zander-Rade
Foto: Zander-Rade

Eine Alternative zum Einwohnerantrag „Sofortiger Stopp der Verlagerung des Wenckebach-Klinikums ins Auguste-Viktoria-Klinikum!“ hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Tempelhof-Schöneberg aufgezeigt. Sie forderte bei der Diskussion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am letzten Mittwoch erneut die intensive Beteiligung bei der Weiterentwicklung des Wenckebach-Areals zu einem Gesundheitsstandort.

„Das Anliegen der Initiative, das Krankenhaus und seine Rettungsstelle zu erhalten, ist emotional durchaus nachvollziehbar“, sagte dort Dr. Katharina Urban, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, und ergänzte: „Krankenhäuser waren schon immer emotionale Orte, Orte emotionaler Ausnahmesituationen und Orte, mit denen man viel verbindet – entweder weil man selber dort behandelt wurden oder Menschen dort versorgt werden, die einem lieb und teuer sind.“

Doch die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Bezirk betrachtet Urban eher analytisch als emotional. „Wir haben aktuell im Umkreis von vier Kilometern drei Krankenhäuser und in der Regel suchen Patient:innen die nächstgelegene Notaufnahme auf, weil sie annehmen, dass überall die gleichen Versorgungsstrukturen vorhanden sind“, so Urban. „Das ist aber nicht der Fall. Und das heißt, dass es letztendlich dem Zufall überlassen bleibt, ob Menschen, die sich in einer Notsituation befinden, an dem Ort landen, an dem ihnen am besten geholfen werden kann. Das ist keine ideale Gesundheitsversorgung.“

„Im Gegensatz zum Verharren im Status Quo ist es dagegen notwendig, eine bedarfsgerechte, niedrigschwellige und multiprofessionelle Versorgungsstruktur zu schaffen“, erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen. Sie betonte in ihrer Rede vor der BVV: „Der Standort Wenckebach sollte perspektivisch eine Anlaufstelle sein, an der medizinische und soziale Belange und Bedarfe zusammengedacht werden, an der beispielsweise Hausärzt:innen, Kinderärzt:innen und Geriater:innen gemeinsam tätig sind – in Kooperation etwa mit Physiotherapiepraxen und dem Pflegestützpunkt, dem Sozial-, Gesundheits- und Jugendamt sowie weiterer sozialer Träger. Ein Gesundheitsstandort, in dem die Behandlung von Patient:innen nicht mit dem Entlassungsbrief endet, sondern der z. B. auch das Wohnumfeld in den Blick nimmt, wäre, was eine patient:innenzentrierte Gesundheitsversorgung ausmacht!“

„Unsere Richtschnur sollte sein: Wovon profitieren die Menschen in unserem Bezirk am meisten?“, sagte die Grüne Ärztin „Und ich würde mir wünschen, dass wir hier im Sinne aller im Bezirk lebenden Menschen handeln, dass wir gemeinsam das Bezirksamt, die Senatsverwaltung und Vivantes in die Pflicht nehmen und dass wir nicht müde werden, auf eine Beteiligung bei der Weiterentwicklung des Wenckebach zu dringen, weshalb wir in der letzten BVV einen Antrag hierzu eingebracht haben“, betonte Katharina Urban weiter.

„Wir müssen jede Möglichkeit nutzen, um die bezirkliche Perspektive in die Diskussion einzubringen. So kann der Gesundheitsstandort Wenckebach zu einem Ort gerechter Gesundheitsversorgung werden, mit dem man perspektivisch auch neue Emotionen verknüpfen könne,“ meinte Urban. Daher begrüßen sie und ihre Fraktion eine erneute öffentliche Diskussion im Rahmen einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses sehr und stehen auch darüber hinaus für eine weitere Zusammenarbeit mit der Initiative zur Verfügung. Sie hoffen, dass die Gesundheitsversorgung in Tempelhof-Schöneberg damit gemeinsam von der BVV und Initiativen bedarfsgerecht mitgestaltet und weiterentwickelt werden kann.