
Elf ovale Gemälde, auf denen verschiedene Herren aus früherer Schöneberger Geschichte zu sehen sind, hängen seit der Nachkriegszeit im BVV-Saal des Rathaus Schöneberg. Doch wie die Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und SPD herausfanden, hingen die Portraits ursprünglich ganz woanders. Deshalb beantragen sie in der nächsten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) die Umhängung der Gemälde. Grünen-Fraktionsvorsitzender Bertram von Boxberg, der auch kulturpolitischer Sprecher ist: „Es ist an der Zeit, die elf Herren an jenen Platz zu bringen, der historisch und in denkmalspflegerischer Hinsicht korrekt ist: Das ist der Theodor-Heuss-Saal, der damals Alt-Schöneberger Saal hieß.“
Bei den elf Männern handelt es sich u.a. um ehemalige Vorsteher früherer Stadt- und Gemeindeversammlungen, die nie demokratisch gewählt worden waren. Die Gemälde hingen zunächst im ehemaligen Rathaus am heutigen Richard-von-Weizsäcker-Platz. 1914 kamen die Bilder dann in das fertig gestellte neue und heutige Rathaus, aber nicht in den BVV-Saal, sondern in den damaligen Saal mit dem Namen Alt-Schöneberg. „Da machten sie auch Sinn, denn es sind Portraits von Personen aus der Geschichte Schönebergs“, erklärt Bertram von Boxberg.
Nach 1945 und nachdem das Rathaus Schöneberg im Krieg stark beschädigt wurde, wurden die Gemälde im BVV-Saal aufgehängt. Grünen-Kulturpolitiker von Boxberg: „Das war historisch unkorrekt und unter Denkmalaspekten falsch.“
Grüne, SPD und Linke wollten im BVV-Saal Frauenpersönlichkeiten aus dem Bezirk, die sich um die Demokratie und das Bezirksparlament verdient gemacht haben, mit Portraits sichtbar machen. „Aber da hieß es bisher, dass das aus Gründen des Denkmalschutzes nicht gehe. Die Portraits der Männer müssten im BVV-Saal hängen bleiben“, sagt Bertram von Boxberg. „Doch es ist genau umgekehrt: Die elf Männerporträts im BVV-Saal gehören aus denkmalpflegerischer Hinsicht gar nicht an diesem Ort. Durch das jetzt beantrage Umhängen der elf Gemälde in den Theodor-Heuss-Saal werde der ursprüngliche historische Zustand wiederhergestellt und somit dem Denkmalschutz genüge getan“, betont der Grünen-Politiker.