Teilhabe statt Ausgrenzung: Bildungs- und Chancengerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen gewährleisten

Foto: KI-generiert durch Grünerator

Immer mehr Familien mit Kindern leben über lange Zeiträume in Unterkünften für Wohnungslose, die ursprünglich nur als kurzfristige Notlösung gedacht waren. Enge Mehrbettzimmer ohne ruhige Lernmöglichkeiten, fehlende Rückzugsräume und hygienische Mängel erschweren konzentriertes Arbeiten und die Vorbereitung auf den Unterricht erheblich. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will deshalb mit einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mehr Transparenz über die Situation schaffen.

Martina Zander-Rade, Sprecherin für Schulpolitik, und Marius Feldkamp, Sprecher für Jugendpolitik, erklären: „Schulen im Umfeld solcher Unterkünfte berichten von erhöhter Belastung der Schüler*innen, unregelmäßigem Schulbesuch und untragbaren hygienischen Zuständen. Die Kinder und Jugendlichen brauchen mehr Unterstützung und echte Chancengleichheit.“

Die Grünen fordern, dass das Bezirksamt künftig halbjährlich über die Situation von Familien mit minderjährigen Kindern und Jugendlichen in Unterkünften für Wohnungslose im Bezirk berichtet. Dargestellt werden sollen unter anderem die Zahl der betroffenen Kinder, ihre Altersstruktur, die Dauer der Unterbringung sowie die Versorgung mit Kita- und Schulplätzen, die regelmäßige Teilnahme am Unterricht und die sozialpädagogische Begleitung.

„Wenn Kinder übermüdet, krank oder ohne ausreichende Lernmaterialien im Unterricht erscheinen, sind ihre Chancen auf Bildungsgerechtigkeit massiv eingeschränkt“, sagt Martina Zander-Rade. Marius Feldkamp ergänzt: „Berichte über verschmutzte Sanitäranlagen, Schädlingsbefall und fehlende Schutzräume sind besonders alarmierend. So ist kein gesundes Aufwachsen möglich. Solche Formen der Unterbringung nehmen den Kindern und Jugendlichen ihr Recht auf Entwicklung.“

Der Bericht soll darstellen, welche Maßnahmen zur Sicherstellung von Kinderschutz sowie von Gesundheits- und Hygienestandards in den Unterkünften ergriffen und kontrolliert werden und wie die Zusammenarbeit mit Schulen, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe organisiert ist. Ebenso soll aufgezeigt werden, wie Lernmöglichkeiten, Rückzugsräume für Hausaufgaben und der Schutz vor Gefährdungen gewährleistet werden.

Das Bezirksamt soll sich zudem bei den zuständigen Senatsverwaltungen dafür einsetzen, dass die Unterbringungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen in ASOG-Unterkünften berlinweit stärker am Wohl der jungen Menschen ausgerichtet werden. Alternativen müssen ausgebaut und Verlegungen in geeignetere Unterkünfte oder in regulären Wohnraum vorrangig ermöglicht werden.

„Die teils jahrelange Unterbringung von Kindern in einem dafür nicht ausgelegten System ist nicht akzeptabel. Wir müssen zu ämter- und bezirksübergreifenden Lösungen kommen. Eine systematische Berichterstattung schafft Transparenz und hilft, Unterstützungsangebote zwischen Unterkunft, Jugendhilfe und Schule besser zu koordinieren. Ziel ist der Schutz der Kinder“, so Zander-Rade und Feldkamp.