Tempelhof-Schöneberg gedenkt Rosa von Praunheim

Foto: von Boxberg

An einem würdigen Andenken für den im Dezember verstorbenen Filmemacher, Autor und Aktivisten, Rosa von Praunheim, soll der Bezirk Tempelhof-Schöneberg mitwirken. Dieses Vorhaben beantragen auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen die drei Fraktionen Grüne, Linke und SPD in der nächsten Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Das Bezirksamt soll verschiedene Möglichkeiten im Rahmen seiner Arbeit im Bereich Kultur und Weiterbildung prüfen. Elias Joswich, Grünen-Sprecher für Queerpolitik: „Konkret ersuchen wir das Bezirksamt zunächst, eine Filmreihe im Marlene-Dietrich-Kinosaal im Rathaus Schöneberg zu veranstalten.“

Rosa von Praunheim, geboren als Holger Radtke am 25. November 1942 in Riga, zählte zu den prägendsten Figuren der queeren und schwulen Bewegung in Deutschland. Als Filmemacher, Provokateur und Aktivist beeinflusste er über Jahrzehnte hinweg den gesellschaftlichen Diskurs. Der Streifen „Die Bettwurst“ von 1971 gilt als Kultfilm. Mit mehr als 150 Filmwerken formte er das deutsche Queer Cinema maßgeblich. Seine Dokumentation „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ sorgte 1971 für einen Tabubruch und machte Homosexualität erstmals breit öffentlich zum Thema. Zeit seines Lebens engagierte sich Praunheim für die Rechte von LGBTQ+-Menschen sowie für Aufklärung über HIV und AIDS. Zuletzt setzte er sich in dem Filmessay „Satanische Sau“ eindringlich mit der eigenen Endlichkeit auseinander.

Das Bezirksamt soll Möglichkeiten für Ausstellungen und Informationsorte prüfen. Nach Ansicht der drei BVV-Fraktionen soll das Bezirksamt darauf achten, sowohl queere Zielgruppen als auch Menschen zu erreichen, die möglicherweise bisher noch nicht mit dem Wirken Rosa von Praunheims vertraut gewesen sind. Im Prüfbericht soll detailliert dargelegt werden, wie welche Zielgruppe erreicht werden soll.

Grünen-Politiker Elias Joswich betont: „Rosa von Praunheim war einer der prägendsten Künstler*innen und Aktivist*innen des queeren Lebens in Deutschland. Damit hat er auch eine herausgehobene Bedeutung für unseren Bezirk, der sich als Heimat des Nollendorfkiezes auch als der queere Bezirk Berlins versteht. Dementsprechend ist es unsere Aufgabe, das Wirken Rosa von Praunheim gebührend zu ehren und für zukünftige Generationen zu erhalten.“