Kahlschlag für eine Baustelle – was bedeutet die Kehrtwende am Tempelhofer Damm für Anwohnende und Stadtökologie?

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Die Empörung über die Entscheidung des Senats wegen notwendiger Bauarbeiten an Abwasserleitungen am Tempelhofer Damm, 60 gesunde Straßenbäume fällen zu wollen, ist nach wie vor groß. Anwohnende, über ein Dutzend Verbände und Bündnis 90/Die Grünen hatten zu einer Protestdemo aufgerufen. Hunderte von Menschen folgten dem Aufruf. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert nun mit einer Großen Anfrage in der kommenden Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Aufklärung. Ingeborg Hofer-Hutter, Sprecherin für Grünflächen: „Bezirk, Wasserbetriebe und Senat hatten sich auf ein Konzept geeinigt, dass die Bäume erhalten bleiben. Wir möchten jetzt genau wissen, warum der Senat plötzlich eine Kehrtwendung um 180 Grad macht!“

So wollen die Grünen unter anderem wissen, wie die Planungsleitlinien für das Stadtprojekt Tempelhofer Damm in den Jahren 2021 bis 2025 jeweils definiert wurden. Sie fragen auch, welche verkehrlichen Konzepte mit welchem Ergebnis geprüft wurden. „Denn noch im vergangenen Sommer hat Verkehrssenatorin Bonde die Vereinbarung ohne Baufällungen bestätigt. Ein entsprechender Vermerk wurde zwischen den zuständigen Abteilungen für Tiefbau, Verkehrsmanagement und der zuständigen Stadträtin in Tempelhof Schöneberg unterzeichnet“, sagt Hofer-Hutter empört.

Die Grünen wollen auch erfahren, ob dem Bezirk Planungsunterlagen mit Querschnitten für die Straßenplanung nach der Baustelle vorliegen. Immerhin sollen die Bauarbeiten acht bis zehn Jahre dauern. Besonders ärgert die Grünen-Politikerin die jetzige Argumentation des Senats zur CO2-Bilanz: „Wie wurden klimatische Faktoren (Klimabilanz) und andere ökologische Dienstleistungen der Bäume berechnet und abgewogen? Das ist nicht schlüssig.“ Deshalb will die Grünenfraktion zudem erfahren, wie das Bezirksamt die Gesundheit der Bäume bewertet. Hofer-Hutter: „Das betrifft Eichen, Platanen, Erlen und Spitzahorne, die Mehrzahl ist zwischen 30 und 50 Jahren alt und kann noch mal so lange stehen bleiben.“

Auch zu den Kosten für die langwierigen Umleitungsstrecken soll das Bezirksamt Auskunft geben: Welche wurden bereits mit welchen Kosten saniert, könnte eine vierspurige Straßenführung während der angekündigten Sanierung der S-Bahnbrücke erhalten bleiben und was bedeutet das Umleitungskonzept für die Gartenstadt Tempelhof, fragen die Grünen. „Wir wollen die 60 Bäume erhalten, denn sie schützen die Anwohnenden am Tempelhofer Damm auch vor gesundheitlichen Belastungen durch die Bauarbeiten“, so Hofer-Hutter.