Grüne kritisieren heimliche Räumung der Gertrud-Kolmar-Bibliothek

Auf der Internetseite des Berliner Senats zu den Berliner Bibliotheken heißt es über die Gertrud-Kolmar-Bibliothek in der Pallasstraße so wie über fast alle anderen öffentlichen Einrichtungen auch „vorerst weiterhin geschlossen“. Was aus dieser banalen Mitteilung nicht hervorgeht: Bei der Gertrud-Kolmar-Bibliothek ist an eine Wiedereröffnung offenkundig nicht gedacht. Denn die von der Bibliothek genutzten Räume in der Sophie-Scholl-Schule wurden geräumt, die vorhandenen Medien, Bücher, CD-Roms etc. an Schulen verteilt bzw. verschenkt. Das war eine heimliche Aktion der beiden zuständigen Stadträte für Schulen und Kultur, ohne einen Beschluss des gesamten Bezirksamtes, ohne vorherige Information der Tempelhof-Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung, kritisiert die grüne BVV-Fraktion.

Bertram von Boxberg, für die Grünen Mitglied des Kulturausschusses der BVV: „Die prekäre finanzielle Lage unserer Stadtteilbibliotheken ist allen Beteiligten bewusst. Aber Mitarbeiter, Helfer, engagierte Bürger haben sich immer für den Erhalt auch der Gertrud-Kolmar-Bibliothek ausgesprochen und fanden damit zumindest bei vielen Bezirksverordneten Gehör. Nur die zuständigen Stadträte zeigten wenig Interesse, mit einem tragfähigen Konzept die Zukunft der Bibliotheken zu sichern. In Sachen Gertrud-Kolmar-Bibliothek sieht es so aus, als hätten sie jetzt zumindest vorerst vollendete Tatsachen geschaffen.“

Gerüchte über ein drohendes Aus der Gertrud-Kolmar-Bibliothek waren schon seit geraumer Zeit im Umlauf. Deshalb wollte Bertram von Boxberg im Januar durch eine Anfrage ans Bezirksamt erfahren: Gibt es Pläne, die von der Bibliothek genutzten Räume der Schule zu überlassen? Wenn ja, gibt es für die Bibliothek irgendwelche Ersatzräume? Die Antwort, die Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) darauf schließlich gab, fiel eher vage aus: Die Räume der Bibliothek sollten „vorrangig“ von der Schule genutzt werden können. Weil es für die Bibliothek noch kein Zukunftskonzept gebe, könne es auch keine Ersatzräume geben.

Von Boxberg: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Räumung der Bibliotheksräume zum Zeitpunkt der Antwort auf diese Anfrage schon beschlossene Sache gewesen ist. Jedenfalls verlangen wir klare Auskunft, wer wann was auf welcher Grundlage entschieden hat. Dazu wollen wir eine Garantieerklärung für den Bestand unserer anderen Stadtteilbibliotheken, wollen, dass auch die Gertrud-Kolmar-Bibliothek, wenn auch an einem neuen Standort, wieder den Menschen im Schöneberger Norden zur Verfügung steht.“