Grüne, CDU und FDP: Gemeinsam für die Ehrung von Richard von Weizsäcker und Coco Schumann

Fotos: Weizsäcker - Common License: Bundesarchiv Coco Schumann: Common License: Emilio Esbardo
Fotos: Weizsäcker – Common License (Bundesarchiv), Coco Schumann – Common License (Emilio Esbardo), Collage: Bertram von Boxberg

Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU und der FDP in der Tempelhof-Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Ehrung von Richard von Weizsäcker und des Musikers Coco Schumann verständigt. Ziel von zwei zusammen eingereichten BVV-Anträgen ist die Umbenennung des Kaiser-Wilhelm-Platzes in Richard-von-Weizsäcker-Platz sowie die Benennung eines Saales im Schöneberger Rathaus nach Coco Schumann.

Mit Richard von Weizsäcker soll nicht allein der frühere Regierende Bürgermeister gewürdigt werden, sondern vor allem der erste Bundespräsident des wiedervereinigten Deutschland, der mit seiner vielbeachteten Rede zum 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der deutschen Vergangenheit auf eine neue Stufe hob. Mit einem Coco-Schumann-Saal soll unterdessen an einen Künstler erinnert werden, der als Jazz-Musiker seine ersten Auftritte in Schöneberg hatte, bis 1943 in illegalen Swing-Clubs spielte, dann von den Nationalsozialisten verhaftet und als so genannter „Geltungsjude“ ins KZ Auschwitz deportiert wurde. Der Holocaust-Überlebende hatte nach der Befreiung seinen gewichtigen Anteil an der Wiederbelebung des Berliner Kulturlebens und der Jazz-Szene in der Stadt. Zeugnisse aus dem Leben von Coco Schumann sind in der im Rathaus Schöneberg gezeigten Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ zu sehen. Dieser Ausstellungsraum soll künftig seinen Namen tragen.

Anstoß der gemeinsamen Initiative der drei Fraktionen war der CDU-Vorschlag, einen Saal des Schöneberger Rathauses nach Richard von Weizsäcker zu benennen. In der Folge entwickelte sich eine intensive und konstruktive Debatte zwischen den Fraktionen, deren Ergebnis die beiden Anträge sind.

Kaiser Wilhelm I. wird auch weiterhin prominent im Berliner Stadtbild vertreten sein. Eine Straße in Lankwitz und auch die international bekannte Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche erinnern an ihn.

Die drei Fraktionen verständigten sich außerdem darauf, vor einer Platzumbenennung die direkten Anwohner angemessen zu informieren und an den Planungen zu beteiligen.

Der grüne Bezirksverordnete Bertram von Boxberg: „Richard von Weizsäcker und Coco Schumann haben sich jeder auf seine Weise um unsere Stadt und unser demokratisches Gemeinwesen verdient gemacht. Sie angemessen zu würdigen, ist nicht Sache einer einzelnen Partei oder der Parteienauseinandersetzung, sondern sollte gemeinsames Anliegen aller Demokraten sein. Deshalb laden wir auch die noch fehlenden anderen demokratischen Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung ein, sich unserem Vorstoß anzuschließen.“

Für die CDU-Fraktion Tempelhof-Schöneberg erklärt deren kulturpolitischer Sprecher Patrick Liesener: „Beide, Richard von Weizsäcker und Coco Schumann, waren außergewöhnliche Menschen. Richard von Weizsäcker ist als Regierender Bürgermeister von Berlin von 1981 bis 1984 mit Amtssitz im Rathaus Schöneberg, als erster Bundespräsident des wiedervereinigten Deutschlands und als Ehrenbürger unserer Stadt ein CDU-Politiker ersten Ranges. Seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa hat Maßstäbe gesetzt.“

„Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, zwei herausragende Persönlichkeiten, die sich politisch und kulturell auch weit über die Grenzen von Berlin hinaus verdient gemacht haben, würdigen zu können.“ ergänzt der FDP Kulturpolitiker André Stammen.