Mit gestärktem Sozialpsychiatrischen Dienst gegen die Gefahr der Wohnungs- und Obdachlosigkeit

Foto: Wokandapix@pixabay.de
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Mit einem um zwei zusätzliche Stellen gestärkten Sozialpsychiatrischen Dienst und einer engeren Zusammenarbeit des Dienstes mit anderen Fachstellen und Einrichtungen soll der Bezirk künftig der Obdachlosigkeit intensiver als bisher vorbeugen. Das beantragt die Fraktion der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg. Das Bezirksamt solle sich gegenüber dem Senat für eine entsprechende Personalplanung und finanzielle Ausstattung stark machen.

Hintergrund der Forderung: Nach jüngsten Studien leiden über 70 Prozent der erwachsenen Wohnungslosen in Berlin an erheblichen psychischen Störungen. Aferdita Suka, gesundheitspolitische Sprecherin der grünen BVV-Fraktion: „Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die auf Probleme nicht mehr angemessen reagieren können, den Kopf in den Sand stecken, in ihre eigene Realität flüchten. Mit der rechtzeitig einsetzenden notwendigen psychologischen Unterstützung könnten sie motiviert werden, vorhandene Hilfsangebote etwa auf Mietkostenübernahme zu nutzen, ließen sich so viele Fälle von Wohnungslosigkeit vermeiden.“

Mit einer reinen Aufstockung der Stellenzahl im Sozialpsychiatrischen Dienst ist es nach Auffassung der Grünen dabei aber nicht getan. Ebenso erforderlich wäre eine noch engere Kooperation des Dienstes mit anderen Bereichen des Bezirksamtes, zum Beispiel der Sozialen Wohnhilfe. Diese Stelle allein kann dem gestiegenen Bedarf an psychologischer und psychiatrischer Beratung ohne die nötige Expertise des Sozialpsychiatrischen Dienstes nicht angemessen begegnen. Da sei interdisziplinäres Zusammenwirken erforderlich.

Aferdita Suka: „Die höheren Verwaltungskosten, die bei einer Umsetzung unserer Forderung erst einmal auf den Bezirk zukämen, wären nicht nur aus sozialer Sicht eine lohnende Investition. Sie brächten auch langfristig eine erhebliche Einsparung. Ende vergangenen Jahres musste Tempelhof-Schöneberg über 3.100 Wohnungslose in Notunterkünften oder auch Pensionen unterbringen. Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, die nicht mit anderen zusammenleben können und auf ein Einzelzimmer angewiesen sind, kostete das bis 50 Euro pro Tag. Hätten diese Menschen ihre alten Wohnungen behalten können, wäre das nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Steuerzahler*innen ein Gewinn gewesen.“