Opfer von Kindesmissbrauch unterstützen, Verantwortung der Behörden lückenlos aufklären

Foto: Zander-Rade
Foto: Zander-Rade

Die Opfer von Kindesmissbrauch haben ein Anrecht auf jede erdenkliche Unterstützung. Staatliche Mitverantwortung an solchem Kindesmissbrauch etwa durch ein Versagen der Jugendämter muss lückenlos aufgeklärt werden. Das sagt die Fraktion der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg zu dem Fall von zwei jungen Männern, die als Kinder durch das Jugendamt in die Obhut eines Pädophilen gegeben, dort missbraucht wurden und das Bezirksamt nun auf Schmerzensgeld verklagen.

Marius Feldkamp, jugendpolitischer Sprecher der grünen BVV-Fraktion: „Ob und wenn ja, wieviel Schmerzensgeld die beiden Betroffenen erhalten, ob sie für das anstehende Verfahren Anspruch auf Prozesskostenhilfe haben, kann einzig und allein das Landgericht entscheiden. Aber unabhängig von diesem Prozess werden wir im Jugendhilfeausschuss auf eine lückenlose Aufklärung staatlicher Mitverantwortung drängen. Auf Landesebene läuft gerade die zweite Untersuchung seit Bekanntwerden des sogenannten Kentler-Experiments 2015. Wir müssen auch im Bezirk darüber reden, was der Beitrag des damals beteiligten Bezirksamts an der Aufklärung und der angemessenen Entschädigung der Opfer ist.“

Im Rahmen dieses „Experiments“ wurden in ganz Berlin ab Ende der 1960er Jahre Kinder und Jugendliche aus problematischen Familien bzw. aus der Obdachlosigkeit bei pädosexuellen, teils vorbestraften Männern untergebracht.

Die Fragen, die die Grünen nun geklärt sehen wollen: Wie konnte es passieren, dass der Missbrauch von Kindern, die eigentlich unter dem Schutz des Jugendamtes stehen sollten, so lange unentdeckt blieb bzw. trotz alarmierender Signale keine Konsequenzen gezogen wurden? Was haben die Behörden daraus gelernt, wie sie solche Fälle am besten von vornherein verhindern beziehungsweise um unverzüglich einzugreifen?

Martina Zander-Rade, für die Grünen von 1995 bis 2016 Mitglied des Jugendhilfeausschusses und schulpolitische Sprecherin: „Es ist nicht nur unfassbar, dass das Problem in all den Jahren im Jugendhilfeausschuss nie zur Sprache gekommen ist. Ebenso unfassbar ist es, dass die Misshandlungen und der Missbrauch der Kinder bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bzw. den Schuleingangsuntersuchungen entweder nicht gesehen wurden oder es niemand für nötig hielt, Alarm zu schlagen, wenn diese nicht erfolgten. Es müssen auf allen Ebenen Kontrollmechanismen greifen, die eine Wiederholung solcher oder ähnlicher Vorfälle verhindern.“