Verlängerung der Dienstzeit des Direktors der Friedrich-Bergius-Schule – Sieg des demokratischen Engagements über selbstherrliche Verwaltung

Foto: Friedrich-Bergius-Schule, hier: Schulleiter Michael Rudolph
Foto: Friedrich-Bergius-Schule, hier: Schulleiter Michael Rudolph

Mit der Verlängerung der Dienstzeit von Michael Rudolph als Direktor der Friedrich-Bergius-Schule siegte die praktische Vernunft über Ideologie und demokratisches Engagement von Eltern, Lehrer*innen und Kommunalpolitiker*innen über eine selbstherrlich agierende Verwaltung. Das meint Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der grünen Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg, zur jüngsten Entscheidung der Senatsschulverwaltung.

Nach deren ursprünglichem Willen hatte Michael Rudolph wegen Erreichens der Altersgrenze in die Pension geschickt werden sollen, obwohl er zuvor angeboten hatte, seine Arbeit über die Pensionsgrenze hinaus weiterführen zu wollen. Insbesondere wegen des gravierenden Pädagog*innenmangels werden solche Angebote gerne angenommen, wurde aber im Fall des Bergius-Direktors abgelehnt.

Dabei hatte Michael Rudolph in seiner Amtszeit überaus erfolgreich agiert, die Schulabbrecher*innenquote deutlich reduziert, mehr Schüler*innen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht als vergleichbare Berliner Schulen. Schließlich lagen für die Friedrich-Bergius-Schule wegen des guten Rufs, den sie sich erarbeitet hatte, auch zahlreiche Anmeldungen aus anderen Schulbezirken vor.

Allerdings waren die pädagogischen Methoden des Direktors, z.B. auch kleine Regelverstöße unverzüglich zu ahnden, in der Schulverwaltung nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen und Michael Rudolph musste manchem Gegenwind standhalten. Da kam die Pensionsgrenze manchen Strategen in der Verwaltung offensichtlich gerade recht.

In deren Visier war dabei nicht nur Michael Rudolph selbst geraten, sondern auch alle die, die die ursprüngliche Entscheidung der Verwaltung abgelehnt hatten. Insbesondere den schulpolitischen Sprecher*innen der Tempelhof-Schöneberger BVV-Fraktionen von CDU und Grünen, die im Bezirksparlament eine Willensbekundung für die Verlängerung des Dienstverhältnisses durchgesetzt hatten, warf der damalige Staatssekretär Michael Rackles deswegen „undemokratisches Verhalten“ und „Förderung der Politikverdrossenheit“ vor.

Nun ist das Dienstverhältnis von Michael Rudolph um ein Jahr verlängert und der zuständige Staatssekretär Mark Rackles durch Beate Stoffers ersetzt worden. Martina Zander-Rade: „Die Verlängerung des Dienstverhältnisses von Michael Rudolph ist auch in Hinsicht eines produktiven Wettbewerbs unterschiedlicher pädagogischer Ansätze unbedingt zu begrüßen. Da bleibt zu hoffen, dass Frau Stoffers als neue Staatssekretärin ebenfalls eine Verfechterin dieser Vielfalt ist und sie mehr Gespür für Elternwünsche und demokratisches Engagement zeigt als ihr Vorgänger.“