Schulleiter*innen dürfen nicht zurückgewiesen werden

Angesichts des Pädagog*innenmangels darf die Senatsschulverwaltung keine Schulleiter*innen, die anbieten, ihren Dienst auch über die Pensionsgrenze hinaus zu verrichten, zurückweisen. Das fordert die Willensbekundung der Tempelhof-Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung, die jetzt auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU sowie der FDP mit übergroßer Mehrheit verabschiedet wurde. Anlass dieser Willensbekundung: die Nichtverlängerung der Dienstzeit von Michael Rudolph, des Direktors der Friedrich-Bergius-Schule.

Zwar hatte Michael Rudolph die Quote der Schulabbrecher*innen erheblich gesenkt, es wurden an der Friedrich-Bergius-Schule in seiner Amtszeit mehr Jugendliche als je zuvor zu einem Abschluss geführt, doch die dabei angewandten Methoden, beispielsweise jeden Regelverstoß mit Arbeiten wie z. B. Säubern des Schulhofes zu ahnden, stießen in der Senatsschulverwaltung nicht überall auf Gegenliebe. Trotz des ausgezeichneten Rufes, den die Schule genoss und der Vielzahl von Anmeldungen wurde die Bergius-Schule nach einer Überprüfung durch die Verwaltung zur „Problemschule“ erklärt, obwohl es dafür keinerlei Anlässe gab. Dass kurz darauf Michael Rudolph wegen Erreichen der Altersgrenze ab den Sommerferien in den Ruhestand versetzt werden soll, obwohl er zuvor angeboten hatte, nach § 38 des Landesbeamtengesetzes weiter im aktiven Dienst zu bleiben, weckte natürlich den Verdacht: Hier sollte ein zwar erfolgreicher, aber unliebsamer Pädagoge abgeschoben werden. Ansonsten werden solche Angebote auf Dienstverlängerung nämlich gerne angenommen. Wesentlich zur Eskalation der Auseinandersetzung trug dann schließlich bei, dass Mark Rackles, Staatssekretär in der Senatsschulverwaltung, den Kritikern der Verwaltungsentscheidung „undemokratisches Verhalten“ und das Schüren von Politikverdrossenheit vorwarf.

Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der grünen BVV-Fraktion: „Mit unserer Willensbekundung haben wir hoffentlich auch Herrn Rackles gezeigt, wie Demokratie tatsächlich funktioniert. Demokratisch gewählte Bezirksverordnete kontrollieren die Verwaltung, kritisieren, wenn es nötig ist, mitunter auch über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg deren Entscheidungen und mahnen Besserungen an. Noch besser für die demokratische Entwicklung unserer Schulen wäre allerdings, wenn die Senatsschulverwaltung künftig erst mit Vertreter*innen von Elternschaft, Lehrkörper und Kommunalpolitik reden würde, bevor sie wieder eine fragwürdige Entscheidung wie im Fall der Friedrich-Bergius-Schule trifft.“