Streit um Friedrich-Bergius-Schule: Umgang der Senatsverwaltung mit Kritik offenbart fragwürdiges Demokratieverständnis

Foto: Friedrich-Bergius-Schule, hier: Schulleiter Michael Rudolph
Foto: Friedrich-Bergius-Schule, hier: Schulleiter Michael Rudolph

Die Entscheidung der Senatsschulverwaltung, Michael Rudolph, den erfolgreichen Leiter der Friedrich-Bergius-Schule, wegen Erreichen der Altersgrenze in Pension zu schicken und seinen Antrag auf Verlängerung des aktiven Dienstverhältnisses abzulehnen, ist angesichts des Pädagogenmangels auf Widerspruch im Lehrkörper, der Elternschaft und über alle Parteigrenzen hinweg in der Tempelhof-Schöneberger Kommunalpolitik gestoßen. Die E-Mail, die der zuständige Staatssekretär Mark Rackles nun an einige der Kritiker*innen sandte, könne den Vorwurf, hier wolle man einen bei Teilen der Verwaltung ungeliebten Pädagogen loswerden, nicht entkräften, meint Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung. Im Gegenteil offenbare diese E-Mail ein fragwürdiges Verhältnis des Staatssekretärs zum demokratischen Meinungsstreit und zur Pressefreiheit.

Zander-Rade: „Wie auch andere Medien hat die Berliner Morgenpost ausführlich über die Pensionierung des Schulleiters berichtet und dabei auch die Kritiker der Verwaltungsentscheidung zitiert. Wenn Herr Rackles der Zeitung deshalb nun unter namentlicher Nennung der Redakteurin die Verbreitung von Fake News vorwirft, scheint sein Verhältnis zur Pressefreiheit eher dem von Donald Trump zu entsprechen als dem, was man normalerweise von sozialdemokratischen Spitzenpolitikern erwarten dürfte.“

Nicht nachvollziehbar ist für Zander-Rade Rackles‘ Vorwurf, sie und die anderen Kritiker*innen „beschädigten die Demokratie“ und „förderten die Politikverdrossenheit“. Die grüne Schulpolitikerin: „Ich engagiere mich seit über 25 Jahren in der Schul- und Kommunalpolitik, rede mit Lehrern, Eltern und Schülern, bringe deren Sorgen und Wünsche in die politischen Gremien ein. Das ist mein Verständnis von demokratischem Engagement. Für Herrn Rackles dagegen scheint die Aufgabe ehrenamtlicher Politiker*innen darin zu bestehen, gegenüber der Öffentlichkeit die Entscheidungen der Verwaltung zu rechtfertigen. Im Interesse unserer Schulen hoffe ich, dass diese Haltung des Staatssekretärs nicht auch noch von der verantwortlichen Senatorin Sandra Scheeres gestützt wird, sondern diese Einstellung vielmehr den entschiedenen Widerspruch des gesamten Senats hervorruft.“