Trotz BVV-Beschluss: Noch sind die Urania-Platanen nicht verloren

Auch wenn die Mehrheit von SPD, CDU und FDP in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg jetzt beschloss, die Platanen vor der Urania möglichst bis Ende dieses Monats abholzen zu lassen, so seien diese Bäume doch noch lange nicht gefällt. Ein Antrag der Grünen, den Platz mit der Skulptur “Arc de 124,5°“ unter Einbeziehung der Platanen so aufzuwerten, dass das Kunstwerk mit den umgebenden Bäumen besser als bisher zur Geltung kommt, fand keine Mehrheit. Dennoch gehen die Grünen davon aus, dass Platanen und Kunstwerk noch lange harmonisch zusammenstehen werden.

Der aktuelle BVV-Beschluss stünde nicht nur im Widerspruch zur Geschichte des Platzes und der offenkundigen Mehrheitsmeinung der Bürger*innen, er sei auch praktisch gar nicht umsetzbar, meinte der grüne Bezirksverordnete Bertram von Boxberg. Die Platanen stünden teilweise seit 60 Jahren an ihrem Platz, also deutlich länger als die Skulptur, die sie jetzt angeblich verdecken. Die wurde nämlich erst als ein Geschenk Frankreichs zur 750-Jahr-Feier Berlins aufgestellt. Innerhalb weniger Tage unterschrieben über 850 Menschen eine Petition für den Erhalt der Platanen, deren Bedeutung für das Stadtklima unter anderem vom Bund Umwelt- und Naturschutz BUND betont wurde. Schließlich sei ein Abholzungstermin bis Ende Februar auch völlig unrealistisch. Danach wäre eine Fällung nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung zulässig. Für eine solche Genehmigung würden aber alle rechtlichen Voraussetzungen fehlen.

Von Boxberg: „Ursprünglich waren auch die SPD und die CDU im Bezirk für den Erhalt der Platanen. Die Eile, die sie jetzt für deren Abholzung an den Tag legen, lässt sich nur erklären mit dem Druck, den der Regierende Bürgermeister Michael Müller und und die Kulturstaatsministerin Monika Grütters in dieser Angelegenheit auf die Kommunalpolitik ausüben, angeblich, weil hier die deutsch-französische Freundschaft auf dem Spiel steht. Wir Grüne halten diese Freundschaft allerdings für so gefestigt, dass sie durch den Erhalt der Platanen nun wahrlich nicht beeinträchtigt werden kann. Im Gegenteil: Wir wollen uns Frankreich als Vorbild nehmen. In Nizza beispielsweise steht ein ähnliches Kunstwerk wie in Berlin, umgeben von hochgewachsenen Palmen. Und würde man die Platanen statt zu fällen fachgemäß beschneiden, käme damit gute alte französische Gartenkunst zu Ehren.“

Letztlich seien aber ohnehin bei allen Baumfällungen die einschlägigen Naturschutzgesetze einzuhalten. Von Boxberg: „Da wird das letzte Wort in dieser Sache womöglich auch von keinem BVV-Beschluss, keinem Regierenden Bürgermeister und keiner Ministerin, sondern von einem Gericht kommen.“