Streit um französisches Kunstwerk vor der Urania: Von Frankreich lernen, die Platanen stehen lassen

Foto: von Boxberg
Foto: von Boxberg

Mit ihrem Vorstoß, die Platanen an der Urania möglichst bis Ende Februar zu fällen, demonstrieren die Fraktionen von CDU, SPD und FDP in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg vor allem eines: ihre Fantasielosigkeit in Fragen der Kunst und Kultur. Das sagt der grüne Bezirksverordnete Bertram von Boxberg, Mitglied des Kulturausschusses der BVV. Angeblich müssen die inzwischen 30 Jahre alten Platanen fallen, um so ein freies Sichtfeld auf das von Bernar Venet geschaffene Kunstwerk „124,5° ARC“, ein Geschenk Frankreichs zur 750-Jahr-Feier Berlins, herzustellen. Dem halten die Grünen entgegen: Im öffentlichen Raum gehören Kunst und Natur zusammen, die Platanen müssen bleiben.

Dass es andere Lösungen als die nun drohende Fällaktion geben kann, wurde noch einmal deutlich während des Besuches, den Renate Künast, die grüne Bundestagsabgeordnete Tempelhof-Schönebergs, zusammen mit grünen Kulturpolitikern des Landes und des Bezirks, dem Kunstwerk an der Urania erstattete. Denkbar wäre etwa eine Umsetzung des Kunstobjektes auf das Tempelhofer Feld oder aber eine Aufwertung der Skulptur an ihrem jetzigen Platz, aber unter Einbeziehung der sie umgebenden Bäume.

Nicht nachvollziehbar ist für von Boxberg die Eile, die CDU, SPD und FDP nun an den Tag legen. Da Fällaktionen nur bis Ende Februar zulässig sind, dieser Termin aber kaum zu halten ist, soll nämlich gegebenenfalls eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Solche Genehmigungen können aber tatsächlich nur in begründeten Ausnahmen, etwa bei unaufschiebbaren Bauarbeiten, erteilt werden. Von Boxberg: „Solche Bauarbeiten sind hier aber nicht geplant. Die Diskussion um die Platanen ist übrigens auch viel älter als der aktuelle Streit. Schon 2012 wurde eine Debatte über eine mögliche Fällung geführt. Damals allerdings hatte sich die Tempelhof-Schöneberger SPD noch für den Erhalt der Platanen stark gemacht.“

Für gänzlich absurd hält von Boxberg schließlich das vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Tempelhof-Schöneberger Kommunalpolitikern vorgetragene Argument, die Fällaktion sei notwendig für eine Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft. Von Boxberg: „Diese Freundschaft ist glücklicherweise so gefestigt, dass die Platanen vor der Urania nicht den geringsten Einfluss auf sie haben dürften. Zur Freundschaft gehört allerdings auch, voneinander zu lernen. Und da kann Berlin einiges von Frankreich lernen. In Nizza zum Beispiel hat man offensichtlich begriffen, dass Kunst und Natur zusammengehören. Dort steht nämlich eine ähnliche Skulptur Bernar Venets – umgeben von prächtigen Palmen.“