Fairer Handel auf Erfolgskurs

Tempelhof-Schöneberg hat seinen Titel als Fairtrade-Town erfolgreich verteidigt. Vor über zwei Jahren hatte sich der Bezirk um Aufnahme in das internationale Städtenetzwerk bemüht, nun wurde die Mitgliedschaft für weitere zwei Jahre bestätigt. Dazu Rainer Penk, Vorsitzender der Fraktion der Bündnisgrünen in der Bezirksverordnetenversammlung: „Wir Grünen hatten damals die Initiative für den Beitritt zum Fairtrade-Netzwerk ergriffen, das nach kontroversen Diskussionen gegen manchen Widerstand durchgesetzt. Inzwischen ist das Bekenntnis zum fairen Handel im Bezirk weitestgehend Allgemeingut und der faire Handel auf Erfolgskurs.“

Aktuell zählt das Netzwerk allein in Deutschland rund 550 Städte und Gemeinden, die sich um die Förderung des fairen Handels bemühen und in ihrer eigenen Einkaufspolitik darauf achten, dass möglichst keine Produkte aus Kinderarbeit oder anderen menschenunwürdigen Produktionsbedingungen stammen. Die Mitgliedschaft wird für jeweils zwei Jahre gewährt, dann nach Prüfung für weitere zwei Jahre verlängert, wenn die betreffende Gemeinde bei der Umsetzung der Fairtrade-Prinzipien die verlangten Fortschritte erzielt hat.

Rainer Penk: „Wir haben im Bezirk eine Steuerungsgruppe, die unter dem Vorsitz unserer grünen Fraktionärin Aferdita Suka eine hervorragende Arbeit leistet. Inzwischen haben sich drei Kirchengemeinden im Bezirk den Prinzipien des fairen Handels verpflichtet, wurden mehrere Schulen zur Teilnahme motiviert und konnten etliche Einzelhandelsunternehmen gewonnen werden.“

Dennoch bedeute das Engagement für den fairen Handel weiterhin, dicke Bretter bohren zu müssen. Penk: „Weltweit stammen die meisten Fußbälle zum Beispiel aus Pakistan, dort zusammengenäht von Heimarbeitern, oft von Kindern, die dafür weit weniger als den pakistanischen Mindestlohn erhalten. Aber unser Antrag, für die Einrichtungen des Bezirkes künftig nur noch Sportartikel aus fairer Produktion zu kaufen, fand erst nach langwierigen Debatten, in denen zahllose Bedenken vorgetragen wurden, eine Mehrheit. Notwendig wäre jetzt, dass die Verwaltung künftig nur noch Diensthandys aus fairer Produktion anschafft. Das umzusetzen wird aber sicherlich auch kein Selbstläufer.“

Trotz aller Schwierigkeiten sind die Grünen optimistisch, dass Tempelhof-Schöneberg den Titel einer Fairtrade-Town in zwei Jahren wieder verteidigen wird. Rainer Penk: „In allen Sonntagsreden zur Flüchtlingspolitik heißt es schließlich, dass man die Fluchtursachen, also das Massenelend und die Umweltzerstörung in den Ländern Afrikas und Asiens beseitigen müsse. Der Einsatz für den fairen Handel hier vor Ort ist da die praktische Antwort der Kommunalpolitik auf ein weltweites Problem. Diese Erkenntnis muss und wird sich auch bei denen durchsetzen, die dem Fairtrade-Gedanken jetzt noch skeptisch gegenüberstehen.“