Zum Streit um Bergius Schule: Für guten Unterricht braucht es Ermutigung und keine Nackenschläge

Wenn eine Schule unter schwierigsten Bedingungen überdurchschnittliche Lernerfolge erzielt, hat sie es verdient, von der Schulverwaltung zum Weitermachen ermutigt zu werden und braucht keine Nackenschläge durch ungerechtfertigte Negativ-Bewertungen. So kommentierte Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der grünen Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg, die von der Schulinspektion vorgenommene Einstufung der Friedenauer Friedrich-Bergius-Schule als „Schule mit erheblichem Entwicklungsbedarf“.

Im Klartext bedeutet diese Bewertung: Angeblich ist hier eine Problemschule voller ungelöster Konflikte, an der die Unterrichtsziele nicht erreicht werden. Bei einer solchen Einstufung muss eine Schule üblicherweise ihr Konzept unter Anleitung „externer Berater“ völlig neu erarbeiten. Zander-Rade: „Das wäre hier völlig fehl am Platz. Diese verfehlte Negativbewertung kann allenfalls zur Demotivierung von Lehrerschaft und Elternvertretung führen, im Extremfall sogar die weitere Existenz der Friedrich-Bergius-Schule gefährden.“

Vor einigen Jahren noch war die Bergius Schule nämlich tatsächlich eine Problemschule und es stand die Schließung zur Diskussion. Doch mit einer gewaltigen Kraftanstrengung gelang der neuen Schulleitung mit Direktor Michael Rudolph der Sprung nach vorn. Üblich an Berliner Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe: Bis zu 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler schmeißen vor dem Abschluss hin. An der Friedrich-Bergius-Schule beträgt die Abbrecherquote gerade mal sechs Prozent. Dass ein Schüler nach der Sekundarstufe aufs Gymnasium wechselt und sein Abitur macht, ist an anderen ISS ohne Oberstufe seltene Ausnahme. Von der Bergius Schule wechselt die Hälfte aller Schüler aufs Gymnasium. Diese Erfolge haben sich auch in der Elternschaft herumgesprochen: Für das kommende Schuljahr liegen wieder mehr Anmeldungen vor, als Plätze vorhanden sind – und etliche Anmeldungen kommen aus dem Umfeld anderer Schulen.

Martina Zander-Rade: „Dass an der Friedrich-Bergius-Schule weitgehend Frontalunterricht betrieben wird, dass klare Regeln gelten und Regelverstöße auch geahndet werden, etwa, indem Zu-Spät-Kommer den Schulhof säubern müssen, mag gegen manche Theorien eines fortschrittlichen Unterrichts verstoßen. Darüber kann und muss diskutiert werden. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und ich will die Vielfalt. Die nachweisbaren Erfolge der Bergius Schule lassen sich nicht wegdiskutieren. Und wer sie mit solchen Negativbewertungen wie hier in Zweifel zieht, stellt lediglich seine eigenen pädagogischen Theorien über das Wohl der Kinder. Wir erwarten, dass die Senatsschulverwaltung ihre Bewertung noch einmal überdenkt und werden uns dafür einsetzen, dass sich die Schulgremien des Bezirks hinter die Bergius Schule stellen.“