Hausbesuche sollen Obdachlosigkeit verhindern

Das Sozialamt will bei einem Arbeitslosen, einem psychisch Kranken eine drohende Obdachlosigkeit verhindern, doch die schriftlichen Hilfsangebote erreichen den Betroffenen nicht: Denn Post, so hat der inzwischen gelernt, bringt neue schlechte Nachrichten. Da lässt er in seiner Verzweiflung auch die Briefe mit den Hilfsangeboten ungeöffnet liegen. Das ist die Erfahrung vieler Sozialarbeiter, die auch die Helfer hilflos macht.

Deswegen fordern die Grünen in der Tempelhof-Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung: Vor einer Räumungsklage oder einer bereits angesetzten Zwangsräumung sollen Mitarbeiter des Sozialamtes den Betroffenen aufsuchen und ihm erklären, wie er mit Hilfe des Amtes seine Wohnung behalten kann. Solche Hausbesuche werden in Einzelfällen, bei älteren Menschen und bei Familien mit Kindern, schon gemacht, sollten aber nach Meinung der Grünen zur Regel werden.

Aferdita Suka, sozialpolitische Sprecherin der grünen BVV-Fraktion: „Wir wissen, dass viele Menschen mit Mietschulden aus Scham, Angst und Überforderung den Kopf in den Sand stecken, solange, bis es zu spät ist. Andererseits wissen wir aber auch, dass gezielte Hilfe, etwa Mietschuldenübernahme, auch noch einen Tag vor der angesetzten Zwangsräumung die Obdachlosigkeit verhindern kann. Angesichts der gesellschaftlichen Kosten der Obdachlosigkeit, angesichts der Preise, die wir auch für Notunterkünfte zahlen müssen, sind solche vorsorgenden Hausbesuche allemal lohnend.“