Zu den antisemitischen Vorfällen an der Paul-Simmel-Schule: Eltern und Nachbar-Moscheen in die Pflicht nehmen!

Die antisemitischen Übergriffe an der Tempelhofer Paul-Simmel-Grundschule, wo ein jüdisches Mädchen von Kindern aus islamischen Familien massiv bedroht wurde, in einer WhatsApp-Schüler-Gruppe ein Propaganda-Video des IS kursierte, zeigen: Alle pädagogischen Bemühungen um Toleranz und eine weltoffene Einstellung bleiben weitgehend wirkungslos, solange nicht das soziale und familiäre Umfeld der Kinder einbezogen wird. Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung: „Unsere BVV hat einstimmig eine Willensbekundung verabschiedet, wonach wir jeder Form von Antisemitismus und Rassismus entschieden entgegentreten. Hier müssen wir in der Praxis zeigen, was das bedeutet.“

Da die Beteiligten ihre antijüdischen Attacken religiös begründeten, müssten die Eltern als auch die benachbarten Moschee-Gemeinden in die Verantwortung genommen werden. Zander-Rade: „Mit pädagogischen Lehrer-Eltern-Kind-Gesprächen ist es nicht getan. In Neukölln hat die frühere Bürgermeisterin Franziska Giffey bei Konflikten immer wieder das Gespräch auch mit den konservativsten Moschee-Vereinen gesucht, gleichzeitig aber klar gemacht, dass die Aktivitäten von Hass-Predigern nicht geduldet werden. Dieses Vorgehen sollte uns als Vorbild dienen.“ Das sei umso notwendiger, als sich mit der Ibrahim-Al-Khalil-Moschee eine salafistische Moschee in der Nachbarschaft der Paul-Simmel-Schule, die bereits ins Visier der Terrorfahnder geraten ist, befindet.

Obwohl Schulleitung und Senatsschulverwaltung schon länger Kenntnis von den Vorkommnissen an der Paul-Simmel-Schule haben, wurde der Schulausschuss der Bezirksverordnetenversammlung entgegen den Regeln nicht informiert. Martina Zander-Rade, Vorsitzende dieses Schulausschusses: „Nicht nur wegen der Gewaltvorfälle an der Spreewald-Grundschule und dem dortigen Einsatz eines Wachdienstes steht das Thema Sicherheit an Schulen ohnehin auf der Tagesordnung unserer nächsten Sitzung am 20. April. Dann wird auch über die Paul-Simmel-Schule zu sprechen sein. Es ist zwar nachvollziehbar, wenn nun einige aus Sorge um das Image unserer Schulen etwa den Wachdienst von der Spreewald-Schule vorzeitig abziehen, die Probleme in der Paul-Simmel-Schule am liebsten intern ohne öffentliche Debatte geklärt sehen würden. Doch das wird nicht funktionieren. Wir wollen, dass unsere Schulen sichere Orte für alle Kinder sind, gleich welchen Geschlechts, welchen Glaubens, welcher Hautfarbe oder sexuellen Orientierung. Diese Sicherheit werden wir jedoch nur herstellen, wenn wir die Probleme offen ansprechen und alle Instrumente, die zu einer Lösung beitragen können, nutzen.“