Elterntaxis: Sicher für die eigenen Kinder – eine Gefahr für die anderen!

Annabelle Wolfsturm, Stellvertretende Vorsitzendevon Annabelle Wolfsturm, Bezirksverordnete und Mitglied im Verkehrsausschuss der BVV

Elterntaxis – Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen – verstopfen vor vielen Grundschulen in unserem Bezirk, in unserer Stadt, im ganzen Land die Straßen vor Schulen. Auf den ersten Blick kann man ihnen gar nicht böse sein, denn sie wollen nur das Beste für ihr Kind: Es soll sicher und komfortabel zur Schule kommen. Der Weg zur eigenen Arbeit wird mit dem Schulweg verbunden.

Doch schaut man genauer hin, sieht man die Gefahren, die diese Entscheidung mit sich bringt. Es sind eben nicht nur ein, zwei, drei Elterntaxis, die kurz vor Unterrichtsbeginn vor der Schule halten, ihre Kinder aussteigen lassen und verabschieden. Gleich mehrere Elterntaxis halten vor der Schule an, stehen Schlange, verursachen einen sogenannten Rückstau und wollen, nachdem das Kind sicher am Schultor angekommen ist, zügig zur Arbeit weiterfahren. Und genau hier werden Kinder, die zu Fuß, mit dem Rad oder Roller zur Schule kommen, gefährdet. Sie müssen sich, je nach Gegebenheiten vor der Schule, zwischen den kurz haltenden Fahrzeugen durchquetschen, gut dafür sorgen, dass sie in diesem Chaos gesehen werden.

Seit 2012 gibt es vor der Ruppin-Grundschule zwischen den beiden Eingängen in der Offenbacher Straße ein eingeschränktes Halteverbot, das morgens zwischen 7 und 9 Uhr gilt. Hier sollen Elterntaxis heranfahren können, um ihre Kinder aussteigen zu lassen. Sofern diese 16 Meter  morgens nicht zugeparkt sind, klappt das gut und die Entlastung auf der Straße ist spürbar.

Schon Ende 2012 hat der damalige GEV (Gesamtelternvertretung) Vorstand der Schule einen „Runden Tisch Schulwegsicherheit“ durchgeführt. Hier wurden alle Rückmeldungen von Eltern, die anlässlich des Aktionstages „Zu Fuß zur Schule“ einige Wochen vorher an einer „Meine-Ängste-Sind“-Tafel gesammelt wurden, ausgewertet und über Maßnahmen gesprochen, wie man die Situation verbessern kann.

Das jetzt beantragte eingeschränkte Halteverbot in der Fehlerstraße vor dem zweiten Eingang zum Schulgelände wurde damals schon von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde in Aussicht gestellt, ein Vorschlag, den wir jetzt gerne aufgegriffen haben, um die Bemühungen der Gesamtelternvertretung zu unterstützen: Diese werben seit über zwei Jahren für die Nutzung des Eingangs in der Fehlerstraße, damit sich morgens nicht alles nur vor dem Eingang in der Offenbacher Straße abspielt.

Das ist jedoch nur eine kleine Maßnahme. Schauen wir nach Österreich und in die Schweiz, sehen wir, dass man dort bereit ist, zu ganz anderen Maßnahmen zu greifen. In Bozen gibt es schon seit vielen Jahren das Projekt „Schulstraße“. Zu diesem Zweck wird die Straße, in der sich die Schule befindet, eine halbe Stunde vor Schulbeginn geschlossen, kein Auto kann mehr reinfahren.

Auch in Graz und Wien in Österreich sind das die Mittel der Wahl vor einigen Grundschulen. Die Rückmeldungen sollen so positiv sein, dass man es dort auch auf weitere Schulstandorte ausweiten will.

Ein weiteres gutes Beispiel findet man gar nicht so weit entfernt: in Hannover. Hier gibt es einen Arbeitskreis Kinderverkehrssicherheit, in dem die Stadt, die Polizei, der ADAC und die gesetzliche Unfallversicherung vertreten sind. Man hat sich Gedanken gemacht, wie man das Elterntaxi-Chaos vor Grundschulen reduzieren kann. Die Initiative, eine Elterntaxi-Haltestelle in der Nähe einer Grundschule einzurichten und gleichzeitig die Straße vor Schulbeginn für den Verkehr zu sperren, kam ausdrücklich von der Polizei. An der Albert-Schweizer-Grundschule gibt es diese beschränkte Zufahrt seit Sommer 2017.

Auch in Berlin hat es in den vergangenen Jahren ein Projekt gegeben: schulisches Mobilitätsmanagement. Es ist Bestandteil des Berliner Verkehrssicherheitsprogramms und wurde an der Kreuzberger Reinhardtswald-Grundschule erprobt. Die ganze Schule hat unter Einbeziehung der Eltern und mit externer Unterstützung ein Konzept entwickelt, das auch zum Ziel hatte, die gefährlichen Haltemanöver vor der Schule zu reduzieren. Ein Teil des Ergebnisses dieses Projektes war die Einrichtung zweier Elterntaxi-Haltestellen im Umfeld der Schule.

Wir wünschen uns daher, dass das Projekt „Schulisches Mobilitätsmanagement“ weiterführt wird und so im ersten Schritt schon einmal an Veränderung interessierte Schulen die Gelegenheit und Mittel bekommen, in ihrem Umfeld die Schulwege sicherer zu machen.

Eines ist natürlich klar: Die ausschließliche Schaffung von Elterntaxi-Haltestellen löst das Problem nicht. Es muss auch viel mit Eltern kommuniziert werden, dass sie ihren Kindern Gutes tun, wenn sie den Schulweg zu Fuß, mit dem Roller oder Rad zurücklegen und auf dem Weg Freunde treffen. Der Schulweg ist hier ein wichtiger Bereich. Unsere Grüne Fraktion will auch Eltern nicht vorschreiben, wie sie ihre Kinder zur Schule bringen sollen. Doch selbst, wenn man auf das Auto angewiesen ist, muss man nicht bis vor das Schultor fahren. Man kann genauso gut auch ein oder zwei Ecken vorher anhalten und das Kind aussteigen lassen.

Im Laufe dieses Jahres wird an der Offenbacher Straße Ecke Laubacher Straße eine Aufplasterung auf der Straße aufgebracht. Dieses geht auf unseren grünen Antrag aus der letzten Legislaturperiode zurück. Damit wird für Kinder, die aus westlicher Richtung zur Schule kommen, ein großer Beitrag für mehr Verkehrssicherheit geleistet, denn durch die Aufpflasterung wird es eine bessere Sichtbeziehung an der Einmündung geben: Sehen und gesehen werden!

 

In dieser Wahlperiode haben wir folgende Anträge zum Thema eingebracht:

Drucksache 0047/XX: Sicher zur Schule – mit und ohne Schülerlotsen

https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5848

 

Drucksache 0053/XX: Schulen am Tag der Verkehrssicherheit beteiligen

https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5848

 

Drucksache 0294/XX: Verkehrssicherheit durch Tempo 30 auf den Spangen der Bundesallee

https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=6113

 

Drucksache 0522/XX: Endlich Sicherheit auf dem Schulweg gewährleisten – Arbeitskreis Kinderverkehrssicherheit einrichten

https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=6371